Geeignet ab 6 Jahren (laut USK); empfohlen ab 7 Jahren (Pegi)
Point-and-Click Adventure? Was ist das?
1987 machte in diesem Genre das Spiel "Maniac Mansion" von Lucas Arts auf dem Commodore 64, Amiga und später auch auf dem Nintendo Entertainment System den Anfang.
Der Spieler sah einige Figuren in 2D-Grafik von der Seite. Mit einem Klick der Maus oder des Joysticks, konnte er die Charaktäre an eine bestimmte Stelle einer Kulisse bewegen.. Am unteren Bildschirmrand standen Befehle wie "nimm", "zieh", schalt ein", "schalt aus", "benutze" usw.
Klickte der Spieler nun auf einen solchen Befehl in Zusammenhang mit einen Gegenstand auf dem Bildschirm, wurde eine passende Aktion ausgelöst. Also etwa "Nimm-Messer" oder "Benutze-Hamster-mit-Mikrowelle". Der Charakter steckte den Hamster dann zum Beispiel in die Mirkowelle und schlaltete sie ein...
Jedendfalls galt es auf diese Weise einige Rätsel zu lösen. So verwendete man zum Beispiel das radioaktiv-verseuchte Wasser aus dem Swimmingpool, um die Fleisch-fressende Pflanze wachsen zu lassen, um so an ihr hochklettern zu können... Das klingt ziemlich skurril? Ist es auch!
Ganz berühmte Vertreter solcher Spiele sind auch "Kings Quest" von der Firma SIERRA und "Monkey Island" sowie "Zack McCracken" ebenfalls von Lucas Arts.
Point-and-Click Adventures waren vor allem in den achziger- und frühen neunziger Jahren sehr beliebt?
Im Grunde war es nur eine Frage der Zeit, bis das erste Spiel dieser Art für das Nintendo DS erscheinen würde. Das Gerät ist nämlich geradezu prädestiniert für diese Art von Spiel: eine bessere Plattform gibt es ausser dem PC dafür wohl kaum...
In "Another Code: doppelte Erinnerung" geht es um Ashley Robinson, ein dreizehnjähriges Mädchen, das eines Tages ein Paket bekommt. Darin befinden sich ein kleines Gerät und ein Brief. In diesem steht, dass Ihr Vater sie auf der "Blood-Edward Insel"erwartet. Seltsamer Weise erinnert sich Ashley aber daran, dass ihr Vater ermordet wurde, als sie noch viel jünger war.
Mit Hilfe des Gerätes, welches als "Another" bezeichnet wird, macht sich Ashley zusammen mit der Schwester ihres Vaters, die gleichzeitig auch ihre Ziehmutter ist, auf den Weg um Peter Robinson zu finden.
Sobald der Spieler in Aktion tritt, sieht er auf dem unteren Bildschirm die Szene aus der Vogelperspektive. Hier wird auch die Figur gesteuert.
Auf dem oberen Bildschirm sieht er ein Standbild von Ashley's Blickfeld. Ashley soll zuerst einige lange Dialoge mit Jessica führen. Dieser wird in Form eines Textes geführt. Der Spieler tippt mittels Touchpen auf das "sprechen"-Symbol. Bei jedem weiteren antippen wird etwas von Gespräch übersprungen. Hin und wieder bekommt man auch die Möglichkeit eine vorgefertigte Frage zu stellen.
Nach langem hin- und her, findet sich Ashley nun an Land der Insel. Um sie zu steuern wird der Touchpen auf den unteren Bildschirm gelegt. Ashley läuft nun in die Richtung, in welcher der Stift liegt. Gerät sie an einen Punkt an dem es etwas interessantes zu sehen gibt, wechselt der obere Bildschirm auf das neue Szenario mit einem Standbild.
Der Spieler sollte sich nun diese Bilder von der Umgebung genau ansehen um etwas interessantes zu finden.
Beispiel: Sie sehen die Einfahrt einer Villa mit verschlossenem Tor. Daneben steht ein zerbrochener Wegweiser. Um diesen nun zu untersuchen, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder man führt den Pfeil über ihn und tippt dann auf das Lupensymbol oder man tippt gleich doppelt darauf. Anschließen zoomt die Kamera heran. Damit Ashley ihn nun genau unter die Lupe nimmt, tippen sie nochmals doppelt darauf.
Ashley sagt nun, dass der Wegweiser zerbrochen sei und man die Nachricht darauf nichtmehr lesen könne. Allerdings lägen die abgebrochenen Teile direkt darunter.
Nun zoomt das Bild weit hinein und Sie sehen den Wegweiser. Ringsherum die fehlenden Teile. Sie sollen nun durch drehen dieser Teile, das Schild wieder zusammensetzen. Auch das machen Sie via Touchpen. Sobald sie das Geschafft haben, können Sie die Nachricht entziffern. Ausserdem gibt Ihnen das einen entscheidenden Hinweis zur Lösung eines späteren Rätsels...
Nun wäre das aber nicht spektakulär, wenn es jedes Mal so einfach wäre. Schließlich versprach man von Seiten der Entwickler ja von "innovativem Gameplay" und "cleveren Ideen".
Zwar sind die meisten Rätsel nicht wirklich als schwierig zu bezeichnen, da sich der Lösungsweg meist geradezu aufdrängt, oft aber eben auch nicht. Um diese Rätsel zu lösen, müssen Sie im Laufe des Spiels nämlich alle Möglichkeiten des Nintendo DS nutzen. So soll etwa ein Bild von Staub befreit werden, indem Sie in das Mikrofon pusten.
Hin und wieder müssen Sie sogar das komplette Gerät mit einbeziehen. Stellen Sie sich mal vor, dass ein Geheimcode nur dann entziffert werden kann, wenn Sie das DS zu dreiviertel zuklappen, damit sich der obere Bildschirm im unteren spiegelt, und dann mit zugekniffenem Auge in den Spalt blicken... Das nenne ich eine raffinierte Idee. Oft werden Sie bei einem Rätsel nur deshalb nicht voran kommen, weil Sie zu sehr auf die eigentlichen Funktionen (Touchpen, Mikrofon) des DS fixiert sind. So werden Sie sich manchmal reden hören "Mein Gott, weshalb ist mir das nicht früher eingefallen. Aber andererseits, wer denkt schon an sowas?".
Sie müssen also lernen, das DS mit anderen Augen zu sehen und über die Grenzen hinaus zu denken.
Beim Lösen von Rätseln hilft auch die Tatsache, dass Ashley's "Another" auch Fotos bestimmter Szenen machen kann. So können Sie zwei Bilder übereinander legen, damit ein weiterer Geheimcode sichbar wird.
Einen Grund das Spiel ein weiteres Mal durchzuspielen, gibt es leider nicht. Es sind keine geheimen Extras freizuspielen, weshalb die Langzeitmotivation sehr darunter leidet. Und da man verhältnismäßig schnell damit durch ist, könnte sich etwas Enttäuschung breit machen.
Grafik:
Die Grafik ist im japanischen Manga-Stil gehalten, wobei auch sehr auf westliche Gesichtszüge geachtet wurde. Dass das Spiel aus einem japanischen Entwicklerstudio stammt, lässt sich nur sehr schwer leugnen.
Spektakulär ist diese nun wirklich nicht. Was Sie im unteren Bilschirm Sehen ist relativ pixelig und dient nur der Steuerung und der Orientierung. Auf dem oberen Bildschirm wurden die Standbilder sehr schön gerendert und sind sehr realistisch.
Die Grafik ist bei "Another Code" trotz allem nur Mittel zum Zweck, weshalb Sie nicht allzu viel davon erwarten sollten.
Sound:
Hier liegt die größte Schwachstelle. Soundtechnisch wird ausser ein bisschen Gedudel nicht viel geboten. Die Musik kann deshalb auch schonmal auf die Nerven gehen.
Manchmal sind die Musikstücke auch nicht zwangsläufig passend.
Sprachausgabe suchen Sie vergebens. Wie bereits erwähnt, werden die Dialoge ausschließlich mittels Text geführt.
Schwierigkeitsgrad:
Meist ziemlich leicht, da sich die Rätsellösungen quasi aufdrängen. Vermutlich wurde hier verschärft auf das jüngere Publikum abgezielt. Obwohl einige Rätsel sich durchaus als echte Kopfnüsse herausstellen können, werden sich erwachsene Spieler oft unterfordert fühlen.
FAZIT:
"Antoher Code: doppelte Erinnerung" ist ein Spiel für Personen, die dieses Genre mögen. Action-Fans werden ganz schwer enttäuscht sein, da nur die Zielgruppe der Point-and-Click-Adventure Fans angesprochen wird.
Die Dialoge sind teilweise extrem lang. So lang, dass man sie manchmal sogar einfach überspringen möchte, was aber nicht immer möglich ist.
Die Grafik ist für diese Art von Spiel üblich, aber nichtmal annähernd an dem was das Nintendo DS im Stande ist zu leisten.
Soundtechnisch wird zu wenig geboten. Auch hier kann das Gerät mehr leisten.
Das Spiel glänzt vorallem durch die äusserst cleveren Rätsel und innovativen Ideen, die Möglichkeiten des DS zu nutzen. Das ist teilweise so clever gemacht, dass man über gewisse andere Schwächen hinwegsehen kann.
Die Gewaltdarstellung hält sich soweit in Grenzen, als dass die Alterseinstufung von sieben Jahren durchaus gerechtfertigt ist. Es wird auch auf den Gebrauch von Schimpfwörtern verzichtet: aus "Halt's Maul" wird zum Beispiel "Sei ruhig" und aus "Du bist ein A****" wird "Du bist ein gemeiner Mensch". Also nichts worüber sich Eltern sorgen machen müssten.
Leider hat das Spiel keinerlei wiederspiel-Wert. Ein Mal durchgezockt verstaubt es im Regal.
Mir hat es im Großen und Ganzen sehr gut gefallen, obwohl es technisch nichts besonderes ist. Das liegt aber an meiner Vorliebe für diese Art von Spiel.
Die Texte und Wertungen stellen die Meinungen des jeweiligen Autors dar...