Genre: Survival-Horror
- Keine Jugendfreigabe gemäß §14 JuSchG
- 1 bis 4 Spieler (es werden zu bis 4 Module benötigt)
VORWORT:
Resident Evil ist zweifellos eines der bekanntesten und beliebtesten Spiele innerhalb der letzten zehn Jahre geworden. Dies mag daran liegen, dass Capcom das Thema über die Untoten, auch Zombies genannt, neu aufgegriffen, und die finsteren Gestalten im wahrsten Sinne des Wortes, wieder auferstehen hat lassen. Aus dem durch Voodo verhexten Sklaven, wurde ein vom gefährlichen T-Virus ferngesteuertes Monster. Ein Opfer der modernen Genmanipulation das uns eine Fantasie vermittelt, zu welchen Dingen diese Wissenschaft in der Lage sein könnte.
Obgleich Capcom die Sache, bis Resident Evil 4, seit so vielen Jahren konsequent durchgezogen hat, scheint der Hype um die Serie nicht abzureißen. Mittlerweile wurden sogar zwei Filme in den Kinos veröffentlicht, die sich mehr oder weniger stark an die Videospiel-Serie halten.
Capcom versuchte mehrmals die Serie aufzupeppen, indem die Firma neue Spielelemente einbaute, oder das Konzept fast vollständig umkrämpelte. Leider konnten die Gun Survivor-Spiele die Fans kaum überzeugen. Auch bei den beiden Outbreak-Teilen ist man geteilter Meinung. Erst mit Resident Evil 4, konnte Capcom eine zufriedenstellende Frischzellenkur erreichen, obwohl es auch hier verständlicher Weise Nörgler gibt, die sich mit dem neuen Prinzip nicht so recht anfreunden können oder wollen.
Der erste Teil der Serie wurde bereits mehrmals, für verschiedene Systeme neu aufgelegt. Das erste Remake erschien als sogenannter "Director's Cut" für die Playstation, und sollte eigentlich nur die Wartezeit bis zum zweiten Teil verkürzen. Neue Kameraperspektiven, Rätsel, mehr Gegner und die ungeschnittenen Vor- und Zwischensequenzen, waren für viele Fans Grund genug zum Kauf.
Auf dem Gamecube schlug ein weiteres Remake ein wie eine Bombe: Nintendos Würfel machte fulminante Grafik möglich, sodass einem vor Staunen der Mund offen stand. Auch hier gabs neue Rätsel, und sogar ganz neue Spielabschnitte.
Die neuste Wiederaufbereitung hat nun Einzug auf Nintendos aktuellem Handheld gehalten. Über Sinn und Unsinn lässt sich streiten. Fans und Neueinsteiger dürften jedenfalls froh darüber sein, den Klassiker nun auch in der Hosentasche mitnehmen zu können. Im folgenden Bericht werde ich Ihnen meine Erfahrungen mit diesem Spiel, so genau wie möglich schildern.
DIE HANDLUNG:
Im umliegenden Waldgebiet einer fiktiven Kleinstadt, werden seit kurzem immer wieder verstümmelte Leichen argloser Wanderer gefunden. Deren Körper wurden teilweise verspeist.
Die Bisswunden lassen auf ein oder mehrere wilde Tiere, wie zum Beispiel Bären schließen.
Andere Indizien sprechen dagegen, und so tappt die Polizei von Racoon City im Dunkeln.
Um die Vorfälle aufzuklären, wurde nun ein Sondereinsatzkommando mit Spezialgebiet auf okkultem Terrorismus, und dem Namen S.T.A.R.S (Special Tactics And Rescue Service) in die Gegend der Opfer entsandt. Leider brach jeglicher Kontakt zum Bravo-Team ab. Eine weitere Gruppe, das Alpha-Team soll nun sowohl Team eins finden, als auch die Sachlage über die Morde klären. Als das Team dort ankommt, finden Sie den verlassenen Hubschrauber ihrer Kollegen. Seltsamer Weise ist der größte Teil der Ausrüstung noch da. Beim durchstöbern des Waldgebietes wird die Gruppe von hundeähnlichen Wesen angegriffen, und ein Teammitglied muss sein Leben lassen. Hasenfuß Brad Vickers ergreift die Flucht mit dem Helicopter und lässt seine Kameraden im Stich. Im letzten Moment flüchten sich Jill Valentine, Chris Redfield, Barry Burton und Teamführer Albert Wesker in eine große Villa mitten im Wald.
Doch was sie dort erleben ist der blanke Horror, und sie sind gezwungen ums nackte Überleben zu kämpfen. Sie als Spieler schlüpfen nun wahlweise in die Rolle von Jill oder Chris.
OPTIONEN:
Neben der Möglichkeit, die Belegung der Aktionsknöpfe zu tauschen, kann man die Farbe des Blutes (Rot oder Grün) bestimmen, und die Empfindlichkeit des Mikrofons einstellen.
WIEDERGEBURT:
Zuerst werde ich den neuen Modus erklären, da dieser für Kenner wohl am interessantesten sein dürfte.
Selbstverständlich muss man dem Spieler etwas neues bieten, wenn man seine Waren an den Mann bzw an die Frau bringen will. Da reicht es nicht, ihm einfach das "alte" Spiel hinzuklatschen. Und die Tatsache, dass der Nintendo DS mit seinem berührungssensitiven Bildschirm und dem Mikrofon bisher, nicht da gewesene Möglichkeiten bietet, würde dieses Vorhaben automatisch zum Flopp werden lassen.
Neben dem normalen Modus kann der Spieler also auch den sogenannten "Wiedergeburt"-Modus spielen, dessen Handlung sich nicht von der des Originals unterscheidet. Auch finden Sie hier keine neuen Räume oder Areale, wie das auf dem Gamecube der Fall ist. In diesem Modus gibt es aber nicht nur neue Rätsel, die den Einsatz des Touchscreens fordern, sondern auch eine Ich-Perspektive, aus der man via Touchpen mit dem Kampfmesser auf allerlei mutiertes Gezücht einstechen darf. Zwar kann man die Funktion nicht bewusst aktivieren, aber sie wird ziemlich häufig, automatisch beim Betreten eines Raumes, den man für "gesäubert" glaubte aktiviert. Selbst Resi-Veteranen sind darauf oft nicht vorbereitet. Während also die Untoten, Krähen und Hunde auf den Bildschirm zu kommen, führt man mit dem Touchpen streichende Bewegungen auf dem unteren Bildschirm aus. Die Spielfigur führt nun einen Messerhieb in die entsprechende Richtung aus. Tippt man dagegen mehrmals auf den Bildschirm, verteilen Jill oder Chris hintereinander schnelle Messerstiche. Während Zombies, aufgrund ihrer Behäbigkeit recht einfach zu besiegen sind, ist bei den flinken Krähen oder Hunden, ein gewisses Timing angebracht. Ich persönlich finde diese Sache recht spannend. Folglich lässt sich das Messer diesmal auch nicht ablegen, vebraucht dafür aber auch keinen Platz im Inventar.
Mit dem Touchpen kann man diesmal auch das Inventarmenü bedienen. Ich als Gewohnheitstier finde es allerdings eher umständlich, dafür jedes Mal erst den Stift aus dem Gerät ziehen zu müssen. So bin ich mit dem Steuerkreuz und den Knöpfen deutlich schneller.
Den Plan des Hauses bekommt man diesmal praktischer Weise ständig auf dem oberen Bildschirm angezeigt. Dort sieht man die eigene Figur durch einen gelben Punkt dargestellt. Die Orientierung wird dadurch oft erleichtert. Oben sieht man nun auch den verbleibenden Inhalt des Magazins, der aktuellen Waffe. Auf diese Weise kann man auf einen Blick erkennen, ob man besser nachladen sollte. So muss man zum nachsehen nicht extra ins Inventar wechseln. Und zusätzlich erkennt man anhand der Färbung des Bildschirms, den aktuellen Gesundheitszustand der Figur.
Ein weiterer, ganz wichtiger Punkt ist, dass man es im Wiedergeburt-Modus mit deutlich mehr und mit stärkeren Gegnern zun tun bekommt. Zum Glück findet man aber auch entsprechend mehr Munition um sich seiner Widersacher erwehren zu können. Trotzdem ist dieser Modus nicht automatisch einfacher, sondern sogar anspruchsvoller, da er das Reaktionsvermögen, und die grauen Zellen des Spieler stärker fordert.
Das Mikrofon wird natürlich ebenfalls nicht vernachlässigt. So sollen Sie beispielsweise einen verwundeten Kollegen, durch Mund-zu-Mund Beatmung, zumindest vorübergehend reanimieren, indem Sie ins Mikro pusten, usw.
Die Neuerungen wurden dem Original im Grunde nur eingefügt. Wo Sie im Original beispielsweise einfach nur einen Knopf drücken mussten damit sich ein Schloss öffnete, müssen Sie nun vorher ein Rätsel lösen, um den gleichen Effekt zu erzielen. Ein paar Elemente wurden auch vom "Director's Cut" übernommen. Während Sie übrigens im klassischen Modus vollkommen ohne Touchpen spielen können, müssen Sie diesen im "Wiedergeburt"-Modus einsetzen, um überhaupt voran zu kommen.
Der Wiedergeburt-Modus hat mich persönlich schon begeistern können, obwohl ich an manchen stellen bemerkt habe, dass Capcom es sich vielleicht etwas einfach gemacht hat. Darüber kann man aber getrost hinweg sehen.
KLASSISCHER MODUS:
Alten Hasen brauche ich hier nichts zu ezählen, da das Spiel 1 zu 1 dem Original entspricht. Das bedeutet, nicht ganz, denn einige wenige Videosequenzen sind manchmal positiv, manchmal negativ verändert worden. So sieht man im Intro lediglich die Zeitungsausschnitte als über die Morde im Wald berichtet wird. Im Director's Cut sah man dagegen die verstümmelten Leichen. Auch als Joseph die abgetrennte Hand im hohen Gras findet, ist an der Stelle an der der Stumpf zu sehen wäre, ein Schnitt zu gemacht worden. Blutspritzer gibt es dort leider auch nicht, und die Szene in der dem Zombiehund dem der Kopf platzt, fehlt ganz.
Als Jill jedoch zum ersten Mal auf einen Zombie beim toten Kenneth trifft, sieht man dessen abgetrennten, und angenagten Kopf auf den Boden fallen. Das verstehe wer will ...
GAMEPLAY:
Allen Neueinsteigern soll an dieser Stelle der Spielablauf erklärt werden.
Der Spieler steuert mit Hilfe des Richtungkreuzes seine Spielfigur durch eine riesige Villa, in der es vor verfaulten Zombies, Krähen, Zombiehunden und allerlei ekelhaftem Zeug nur so wimmelt. Um sich verteidigen zu können, findet der Spieler immer wieder verschiedene Waffen und Munition. Dabei sieht er seine Figur aus fixen Kameraperspektiven. Um im Spiel voran zu kommen, müssen nun einerseits diese Gegner beseitigt werden und andererseits Rätsel gelöst werden. Im Klassichen Modus scheinen diese allerdings eher dazu zu dienen, das Gameplay etwas aufzulockern. Recht schwer sind sie nämlich nicht, da sich die Lösung meist geradezu aufdrängt. Im Grunde beruhen sie meist auf dem Prinzip "bringe Objekt A zu Objekt B", oder "Öffne Tür X mit Schlüssel Y".
Im Laufe des Spiels durchlebt man einige, ziemlich wirkungsvolle Schockmomente und taucht immer weiter in die Geschichte ein. Man bekommt es mit Bossgegnern zu tun, die es oft in sich haben.
Resident Evil lebt also viel mehr vom Grusel, der dazugehörigen Atmosphäre und den Schockmomenten, als vom geistigen Anspruch. Da der Horror aber auch ausgezeichnet gelungen ist, tut dies dem Spielspaß keinen Abbruch. Man muss es halt mögen.
VIER SPIELER MODUS:
In Resident Evil - Deadly Silence, darf man sich mit bis zu vier menschlichen Spielern zusammen tun, die jeweils selbst ein Spielmodul haben müssen. So kann man sich entweder gemeinsam oder gegeneinander dem Horror der Villa aussetzen. Ziel ist es im Kontra-Modus, das gewählte Level schneller als die Anderen Spieler zu absolvieren. Im Kooperativ-Modus sollten die Spieler zusammen arbeiten, denn hier endet es erst, wenn alle Spieler das Levelziel erreicht haben.
Leider scheint der Nintendo DS mit der Darstellung von mehr als einer Figur überfordert zu sein. So hat Capcom die zweifelhafte Lösung gefunden, die Mitstreiter nur durch einen Stern anzeigen zu lassen, wenn sie sich im selben Raum befinden. Das klingt bescheuert? Ist es auch!
GRAFIK:
An der Grafik hat man kaum etwas verändert. Abgesehen davon, dass sie sich auf Playstation one-Niveau befindet, sind die Figuren nicht ganz so kantig. Aktuell ist die Grafik freilich nicht mehr, aber das tut niemandem weh. So kennt und liebt man den Klassiker einfach. Meine Bewertung für die Grafik resultiert daher nicht aus einem Vergleich zu Gamecube und Co.
Dummer Weise ist das Spiel naturgemäß etwas düster. Und genau da nervt es gewaltig, dass Nintendo die Bildschirme des Gerätes nicht entspiegelt hat. Etwas zu viel Licht im Raum, und man kann kaum noch etwas sehen. Ideal wäre es, in Dunkelheit zu spielen. Obwohl das für die Atmosphäre sicherlich von Vorteil ist, freuen sich die Augen wohl kaum darüber.
SOUND:
Wer das Spiel kennt, kennt auch den Sound. Die Musik und die Effekte wirken für die heutigen Verhältnisse recht altbacken. Aber wie auch bei der Grafik ist das nicht weiter schlimm, denn es handelt sich ja um den Klassiker. Wer einen Soundtrack auf der Höhe der Zeit hören will, sollte sich das Gamecube-Remake zu Gemüte führen. Daher habe ich ihn auch in diesem Punkt nicht im Vergleich zu aktuellen Remakes bewertet.
Allerdings muss ich Capcom ankreiden, dass das was aus den Lautsprechern des DS kommt, ruhig etwas lauter hätte sein können. Selbst mit dem Kopfhörer ist die Laustärke noch zu leise.
SCHWIERIGKEITSGRAD:
Hier kommt es darauf an, welche Spielfigur und welchen Modus man wählt. Anfänger tun sich mit Jill wohl leichter, da sie zwei Inventarplätze mehr zur Verfügung hat. Das mag unlogisch klingen. Aber wenn man mal bedenkt, dass man nicht so viel Muntion und Heilutensilien mit sich herumschleppen kann, wenn man mit Chris spielt, sieht die Sache schon anders aus. Mit Chris hat man daher auch einfach mehr Beinarbeit zu leisten.
Und wie gesagt ist der "Wiedergeburt"-Modus noch ein ganzes Stück schwieriger, besonders für Anfänger.
Generell kann man den Schwierigkeitsgrad aber als ausgewogen und durchaus fair bezeichnen. Es gibt keine Situation, die durch geschicktes Handeln nicht gelöst werden kann.
FAZIT:
Resident Evil - Deadly Silence erweist sich als würdiges Remake auf Nintendos kleinem Handheld, und dürfte nicht nur Fans der Serie ansprechen. Die Neuerungen motivieren durchaus, obwohl sie hin und wieder etwas unmotiviert wirken, wenn man den Director's Cut kennt. Die Funktionen des DS werden sehr gut ausgereizt und bringen neuen Pepp in die ganze Sache. Als nachteilig ist in jedem Fall die gekürzte Introsequenz zu betrachten. Für das Prädikat "Keine Jugendfreigabe", hätte ich mir da etwas mehr erwartet.
Sound und Grafik stehen in keinem Vergleich zur aktuellen Technik. Hier gilt es aber zu bedenken, dass das Nintendo DS auch bei weitem nicht die Leistung eines Gamecube, einer Playstation2 oder X-Box hat.
Der vier Spieler Modus ist durchaus lobenswert, auch wenn dessen praktische Umsetzung ein wenig zu wünschen übrig lässt.
Mein Vorschlag: Fans sollten einen Blick riskieren. Neulinge in jedem Fall!
TIPP: Um im Trainingsmodus mit mehr Munition spielen zu können, halten Sie im Modus-Auswahlbildschirm die rechte Richtungstaste gedrückt, bis sich die Schrift grün färbt.
Die Texte und Wertungen stellen die Meinungen des jeweiligen Autors dar...