Wario kommt eines Tages auf die Idee, Geld zu Verdienen. Und zwar massig Geld.
Und was macht man, wenn man reich werden will ? Wario zumindest entwickelt 200 Minispiele, die er schliesslich verkauft.
Und das ist auch schon die Hintergrundgeschichte zu "Wario Ware Inc. Mega Party Games". Das Spiel selber ist im Grunde eine Portierung des GBA-Wario Ware, aufgepeppt mit einem Multiplayer-Modus.
Das Grundprinzip :
Doch zuerst zum Grundprinzip von Wario Ware.
Es gibt, wie schon gesagt 200 Minispiele, die zum allergrößten Teil in 3 Sekunden zu lösen sind. Dabei wird am Anfang eine Anweisung (wie "Zähle") angezeigt. Danach hat man 3 Sekunden, die Aufgabe zu lösen. Die Aufgaben sind allesamt recht simpel, beispielsweise muss man als Mario in Super Mario Brothers einen Gumba zerstampfen oder als Snowboarder einem Berg ausweichen, eine Banane essen oder einen Ausserirdischen einfangen.
Die Spiele sind zwar im Grunde simpel. Die Schwierigkeit besteht darin, in der kurzen Zeit zu realisieren, was man nun tun soll.
Der Einspielermodus :
Der Singleplayermodus besteht vor allem daraus, 25 Minispiele der einzelnen Genres wie "I.Q.", "Nintendo" oder "Seltsames" am Stück nacheinander mit 4 Leben durchzuzocken. Am Ende muss man sich dann durch ein etwas schwierigeres und längeres Bossgame durchschlagen, welche meiner Meinung nach den Höhepunkt des Singleplayermodus darstellen. Diese Bossgames haben mir am besten von allen gefallen und unterhalten für einige Zeit (Minuten) ganz gut. Genau so konnte man Wario Ware auch schon auf dem Game Boy Advance zocken. Die Grafiken und das Gameplay der Spiele wurden dabei 1:1 übernommen. Auch wenn dieser Modus keine besondere Hintergrundgeschichte oder Tiefe bietet, so kann er doch immer wieder für eine halbe Stunde unterhalten und ist perfekt für eine Runde zwischendurch.
Insgesamt habe ich ungefähr 10 Stunden gebraucht, um den Einspielermodus durchzuzuzocken. Im Album kann man jedes Minispiel einzeln anwählen. Eine Story, die sich durch diese Modi zieht, gibt es nicht, aber man kann sich die verschiedenen Introfilme der Charaktere und Clips (die etwas an Flashanimationen erinnern) ansehen, mehr als einmal wird man dies wohl aber nicht tun.
Die Charaktere :
Ausser Wario kann man sich noch als Katze Spitz, Bulldogge Wario, Ninja Ana, Ninja 2 Ana, Discofreak Jimmy T., kranker Wissenschaftler Dr. Crygor, Videospielenerd 9-Volt und ganz normale Frau Mona verkörpern. Freispielbare Charaktere gibt es nicht. Leider lassen die Charaktere den Charme der alteingessesen Nintendocharaktere wie Donkey Kong oder Mario etwas vermissen.
Der Mehrspielermodus :
Extra für den Gamecube wurde der Multiplayermodus, das eigentliche Kernstück des Spiels, entwickelt. Man kann 9 verschiedene Spiele freispielen, auf die ich jetzt näher eingehen werde :
1-Controller-Survival :
Hat man sich Wario Ware besorgt, obwohl man nur einen Controller besitzt, muss man nicht verzweifeln, da dieses Spiel nur ein Pad benötigt. Hier sind ebenfalls maximal 16 Spieler möglich. Jeder Spieler wird hier von einem komischen Gnom im Balletkostüm verkörpert. Nacheinander muss sich jeder Spieler in einem Minispiel beweisen (der Controller wird dabei weitergegeben). Wer verliert, fliegt sofort raus.
Jump Forever mit 1 Controller :
Hier können maximal 16 Spieler ran. Jeder betätigt für einen Sprung die A-Taste und gibt den Controller schnell weiter. Sicherlich ein Spiel, wo man sich ein wenig sportlich (in der Realität) betätigen muss, denn in den späteren Runden (wenn die Geschwindigkeit höher ist), muss man sich ganz schön beeilen mit dem Weitergeben.
Ebenfalls ein großer Spaß.
Aus dem Weg :
Jeder Spieler spielt nacheinander 15 Minispiele während die anderen Mitspieler versuchen ihn an der erfolgreichen Ausführung zu hindern, in dem sie als Figuren durch den Bildschirm rennen und ihn so verdecken. Meiner Meinung nach ist dieses Minispiel eher sinnlos und eines der schlechteren Minispiele, da man teilweise einfach nichts erkennt. Genauso gut könnte man sich auch einfach wirklich vor den Bildschirm stellen. Trotzdem macht "Aus dem Weg" durchaus für einige Runden Laune.
Ärztlicher Rat :
Ein wenig erinnert dieser Modus an ein Gesellschaftsspiel : Jeweils ein Spieler muss ein Minispiel spielen und dabei eine besondere Aktion im echten Leben wie "mit den Lippen schnalzen", "Gähnen" oder "den Namen deines Vaters sagen" ausführen. Zur Belohnung der Aktion des Spielers klatschen die Mitspieler (im Spiel). Der Gewinner wird durch die Menge des Beifalls bestimmt. Die speziellen Aktionen sind ziemlich abgedreht und bringen auf jeden Fall Spass ins Haus. Teilweise kann man sie nur schlecht ausführen wie zum Beispiel bei "Hinlegen", wenn kein Platz da ist.
E-Card-Karten :
Ziel des Spiels ist es, möglichst viele Karten zu besitzen. In jeder Runde zieht jeder Spieler eine Karte vom Kartenstapel, es gibt zwei Arten von Karten :
Durch die eine wird entschieden, welche Minispiele später, wenn der jeweilige Spieler die andere Karte zieht, gespielt werden. Hat der Spieler seine Reihe von Minispielen abgearbeitet, gewinnt er die Karten und sie kommen auf seinen Stapel. Muss er dann nochmal eine Reihe von Minispielen bestehen, können ihm die anderen Spieler die gewonnen Karten während er spielt klauen. Verliert der Spieler ein Minispiel der Minispielreihe, kommen alle seine Karten auf dem B-Stapel, dessen Karten man am Ende des Spiels noch durch ein besonderes Minispiel gewinnen kann, was leider das ganze Spiel sinnlos macht, da eigentlich nur dieses eine Spiel am Ende spielentscheidend ist. Deswegen hat mir dieser Modus nicht so gut gefallen.
Survival Fever :
Die 2-4 Spieler müssen sicher hier auf der Tanzfläche beweisen. Jeder hat 3 Leben die in Form von Zuschauern dargestellt werden, verliert man ein Minispiel, so "vergrault man die Zuschauer", verliert also ein Leben. Die Reihenfolge wer ein Minispiel zu spielen hat ist dabei rein zufällig, manchmal werden die Minispiele auch im Splitscreen bestritten.
Wackelei :
Die Spieler müssen auf Schildkröten balancieren. Am Anfang gestaltet sich das sehr leicht, da jeder nur auf einer Schildkröte sitzt. Doch nachdem man verschiedene Minispiele gewonnen (die anderen Spieler bekommen alle eine Schildkröte) oder verloren (man bekommt eine kleine Schildkröte, die das ganze um einiges schwieriger macht als eine Große) hat, steigt der Schwierigkeitsgrad. Für diesen Modus hat Nintendo "sogar" ein paar neue Minispiele entwickelt, die sowohl technisch als auch spielerisch zwar nicht komplexer sind, aber trotzdem für Spielspass sorgen. Dieser Modus ist mein persönlicher Lieblingsmodus in Wario Ware.
Ballonspannung :
Während sich ein Spieler mit einem Minispiel beschäftigt (solange, bis er ein Minispiel gewonnen hat), blasen die anderen Spieler einen Ballon durch heftiges Tastendrücken auf. Wer gerade beim Minispiel ist, wenn der Ballon platzt, hat verloren. In diesem Modus kommt ein wenig Taktik ins Spiel : Schliesslich kann man absichtlich verlieren bis der Ballon fast am Platzen ist, und dann schnell gewinnen und somit das Joch auf einen anderen Spieler schieben. Das klappt allerdings natürlich nicht meistens. Ich finde diesen Modus etwas sinnlos, weil der Verlierer am Ende eigentlich nur durch Zufall bestimmt wird.
Jump Forever :
Dies ist ein einziges Minispiel für maximal 4 Spieler. Es läuft ganz simpel ab : Die Spieler müssen zur richtigen Zeit das A-Knöpfchen drücken, um Seil zu hüpfen. Und oft sind die simplen Dinge die besten Dinge : Das Spiel macht ziemlich Spaß, trotz seiner maximalen Einfachheit.
Paper Plane :
Ebenfalls ein einziges Minispiel auch für maximal 4 Spieler. Jeder steuert ein Papierflugzeug und muss aufpassen, nicht an die Wände zu stoßen. Die einzige Steuerungsmöglichkeit ist dabei der Joystick. Hört sich simpelst an und das ist es auch. Aber es hat sich als wahre Spielspaßgranate erwiesen.
Einer für Alle :
In diesem Spiel spielen die Spieler ausnahmsweise mal zusammen. Am Anfang wird ein Spieler bestimmt (oder zufällig ausgewählt) der die Minispiele bestreitet. Ohne die anderen Spieler hat der jedoch keine Chance, da der Bildschirm komplett dunkel ist. Die anderen Spieler haben die Aufgabe, den Bildschirm mit Lichtkegeln zu beleuchten und dem Spieler so zu helfen. Der Spieler hat 3 Leben. Nachdem er sie verloren hat, werden die erfolgreich gelösten Minispiele gezählt und der Gruppe wird ein Titel wie "Bekannte" oder "Fremde" verliehen. Einer für Alle spielt sich erfrischend anders im Vergleich zu den anderen Spielen und motiviert auch zum Weiterspielen dank der Titel.
Knall im All :
Die 2-4 Spieler spielen auf einer Art Brett und müssen durch das Gewinnen von Minispielen einzelne Felder erobern. Hier wird Taktik mal ausnahmsweise groß geschrieben, da man die Möglichkeit hat, auch gegnerische Felder mit List und Tücke zu erobern. Der Spieler, der die meisten Felder eroberte, darf am Ende gegen einen Roboter antreten, wobei die Felder der anderen Spieler seinen Bildschirm verdecken. Verliert der Spieler dann das letzte Minispiel gegen den Roboter, haben die anderen Spieler gewonnen. Gewinnt er es, gewinnt er er auch das Spiel.
Ich finde, Knall im All ist eines der besseren Spiele in Wario Ware.
Die Grafik :
Fans von aufwändiger 3D-Grafik mit hohen Polygonraten und kristallklaren Texturen werden bei Wario Ware nicht auf ihre Kosten kommen. Zwar sind einige Minispiele in 3D, aber dies wird nicht durch Polygone erreicht (sondern durch die Mode7-Technik, eine Spezialtechnik aus SNES-Zeiten). Die Minispiele stammen alle vom GBA und wurden grafisch nicht überarbeitet. Also sind die meisten in 2D. Mich persönlich hat das nicht gestört, da die 2D-Grafik meist recht hübsch ist und ich auch ein wenig Fan von 2D-Grafiken bin (ich liebe gut gezeichnete und gut animierte Sprites einfach). Einige Minispiele, die Menüs und Zwischengrafiken wurden exklusiv für den Cube entwickelt, ansehen tut man es ihnen jedoch nicht, zwar sind die Sprites etwas besser aufgelöst, aber sonst fügen sie sich ins grafische Gesamtbild ein. Würde ich die technische Ausreizung des Gamecube bewerten müssen, würde ich wohl einen von fünf Sternen vergeben, da sich Nintendo mit der Technik wohl überhaupt keine Mühe gegeben hat. Allerdings mag ich die hübsche 2D-Grafik einfach, und für das Gameplay ist sie absolut ausreichend.
Der Sound :
Der Sound ist bei den Minispielen ebenfalls wieder minimal und auf 32-Bit-Niveau (eigentlich besitzt der GBA sogar nur einen 8-Bit-Soundchip). Doch das stört in den paar Sekunden wenig, es werden sich sowieso die wenigsten bombastische Soundeffekte von einem Multiplayerspiel erwarten. Auf normalem Gamecube-Niveau ist der Soundtrack. Ohrwürmer findet man unter den Liedern zwar nicht, aber sie unterstützen das Spielgeschehen meistens gut. Ein paar Stücke nerven jedoch etwas, genauso wie das 5-Sekunden-Lied im Singleplayermodus, das das Minispiel ankündigt.
After all vermisst man jedoch bei den Kompositionen die Ausgereiftheit eines Mario Karts, Zeldas oder Mario Sunshines. So sind die Lieder eher simpel, aber sie erfüllen ihren Zweck gut.
Der Schwierigkeitsgrad :
Da die Minispiele allesamt recht simpel sind und auch allermeistens - es gibt ein paar Ausnahmen, bei denen man zwei weitere Knöpfe benutzt - nur mit dem Joystick und dem A-Knopf gesteuert werden, erfordert Wario Ware keine Einarbeitungszeit und man kann sofort problem anfangen, dabei sind die Gewinnchancen bei den Minispielen wegen der Einfachheit auch gleich verteilt.
Die Minispielen variieren in 3 Stufen der Schwierigkeit und in der Zeit, die man hat um sie auszuführen. Daher kann es teilweise durchaus knifflig werden, aber unschaffbar wird es nie.
Technische Informationen :
Wario Ware ist komplett in deutsch und besitzt einen 60 Hertz-Modus.
Auf der Memory Card belegt Wario Ware sparsame 4 Blöcke.
Zu Rucklern kommt es nie im Spiel.
Das GBA-Verbindungskabel wird vom Spiel unterstützt, allerdings wird dadurch nichts freigeschaltet, man kann den GBA nur als Controller benutzen (der Bildschirm des GBA wird auch nicht genutzt).
Wario Ware kann man im Spieleregal übrigens sehr leicht finden, erkennbar ist es am knallgelben Boxart, bei dem auch das Gamecubelogo in gelb-schwarz aufgedruckt ist, was ja sonst eher unüblich ist, da schwarz-lila normal ist. Was sich Nintendo dabei gedacht hat und ob so etwas in Zukunft nochmal vorkommen wird, weiss ich leider nicht. Die Bedienungsanleitung ist farbig gedruckt und wird als Warios Tagebuch präsentiert, in dem man auch Rätsel findet. Ausreichend beschrieben werden die verschiedenen Modi darin nicht, aber dafür gibt es im Spiel verschiedene Tutorials. Die Anleitung ist eher eine nette Dreingabe, die man sich irgendwann mal durchlesen kann.
Fazit :
Ich hatte mit diesem Spiel schon sehr, sehr viel Spass. Ein sehr geniales Multiplayerspiel, eines der Besten auf dem Cube.
In Sachen Kurzweiligkeit hängt der Singleplayermodus dem Multiplayermodus etwas hinterher und die Präsentation könnte besser sein.
Trotzdem ist Wario Ware DIE Empfehlung für Leute die mehrere Controller besitzen und oft genug Gelegenheit zum Multiplayerzock haben, zumal es auch zum Budgetpreis (30 Euro maximal) erhältlich ist.
Daher vergebe ich auch die Höchstwertung.
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