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Ich mag den Kinofilm "Cars" sehr, das direkt gleich vorweg. Eine rosarote Brille habe ich dennoch ganz sicher nicht getragen, als ich mir die Gamecube-Version anschaute, schließlich war ich von zahlreichen Filmumsetzungen auf Spielkonsole schon sehr Schlimmes gewohnt. Ganz selten konnte mich solch ein Ableger begeistern, so dass ich meistens zufrieden war, wenn zumindest ein bisschen Spielsfreude zwischendurch aufkam. Was natürlich im Grunde auch nicht gerade das Gelbe vom Ei ist. Im Fall von "Cars" ist es dann auch tatsächlich so, dass der Charme des Kinofilms und eben seiner Hauptakteure wunderbar rüberkommt, hier wurde sich speziell bei den vielen Zwischensequenzen sowohl bei der Grafik als auch bei der Sprachausgabe sehr viel Mühe gegeben. An anderen Stellen hapert es aber teilweise doch sehr, so dass ich dieses Rennspiel letzten Endes nur so gerade eben noch als soliden Durchschnitt durchgehen lasse. Viel vom Film wird uns nachher nicht erzählt, es sind eher die Rahmenbedingungen bzw. die bekannten Originalschauplätze, in denen wir uns austoben dürfen. Viel Anspruch darf jedenfalls nicht erwartet werden, denn hinter der sympathischen Fassade stecken eigentlich nur ziemlich biedere Rennen. Um einen Reinfall handelt es sich aber wiederum auch nicht, keine Angst, gerade die Fans werden sich wahrscheinlich hier größtenteils sehr gut aufgehoben fühlen.

Worum geht es in "Cars" eigentlich?
Zu den Hauptfiguren bzw. den einzelnen Rennwagen möchte ich jetzt im Detail nichts sagen, denn ich denke, dass jeder, der an diesem Spiel wirklich interessiert sein sollte, längst Bescheid weiß. Die Anderen winken ohnehin gelangweilt ab, also möchte ich den Bericht nicht unnötig in die Länge ziehen. Held dieses Spiels ist ein roter Flitzer, der auf den Namen Lightning McQueen hört und der den Piston Cup unbedingt gewinnen möchte. Bis dahin ist es natürlich ein langer Weg, denn sehr viele unterschiedliche Rennveranstaltungen und auch einige Minispiele warten auf uns, bis wir am Ziel sind. "Cars" ist aufgebaut wie ein Rennspiel-Adventure, was bedeutet, dass wir den ein oder anderen Small-Talk erhalten, Aufträge annehmen, Minispiele absolvieren und bestimmte Erfolge erzielen müssen, um andere Events frei zu schalten, die uns dann erst in der Geschichte voranbringen. Das ist ja gar nicht schlecht, doch in Wahrheit steckt dahinter dann eben doch nur ein mehr oder weniger müdes Abklappern der einzelnen Wettbewerbe. Aber immerhin wurde sich ordentlich Mühe gegeben, dies halbwegs lebendig zu verpacken zahlreiche Filmsequenzen inklusive. Hauptsächlich rasen wir, zumindest im Story-Modus, mit McQueen durch Radiator Springs und das Ornament Valley, wobei wir uns auch ziemlich oft mit alten Bekannten wie dem Sheriff, Tow Mater, Doc Hudson oder Flo messen müssen, aber natürlich auch in den Großveranstaltungen unseren Erzfeinden gegenüber treten. Ganz o groß wie vom Hersteller angepriesen ist die Welt hier allerdings nicht, nein, eher noch überschaubar, doch besonders störend ist dies wiederum auch nicht, denn immerhin sind die paar Quadratkilometer vollgepackt mit Events.

Viele Originalcharaktere sollen hier spielbar sein, tatsächlich ist dem auch so, jedoch nicht im hauptsächlichen Story-Modus, in dem wir die meiste Zeit über als McQueen unterwegs sind. Im Arcadeteil sieht das schon anders aus, da sich dort eine ganze Reihe von Wagen anwählen lassen, vorausgesetzt dass wir diese vorher gegen eine entsprechende Anzahl an Bonuspunkten, die quer in der Landschaft verteilt sind und einfach nur überfahren werden müssen, eingetauscht haben. Dass sogenannte "Schlüsselmomente" des Kinofilms nachgespielt werden können, ist zwar nicht ganz falsch, doch erweckt dies einen falschen Eindruck. Denn vom Inhaltlichen her wird hier beim Videospiel das, was sich im Kinofilm abspielte, kaum wiedergegeben. Eine dichte Story gibt es nicht. Auch der erwähnte Zweispielermodus (Rennen und Minispiele) ist jetzt nicht gerade für eine hohe Langlebigkeit ursächlich, vielmehr ist es zwar anfangs ganz nett, zu zweit am Start zu sein, doch relativ schnell wird es langweilig, zumindest tritt kein Suchtfaktor ein, dafür sind die Rennverläufe einfach zu brav, unspektakulär und anspruchslos, die Minispiele auf Dauer einfach nicht reizvoll. Dass die Rennen wie vom Hersteller versprochen "heiß" sind, kann ich eher nicht behaupten. Im Gegenteil, die Rennverläufe sind eher ein Schwachpunkt, doch dazu gleich an anderer Stelle noch mehr.

Wie sieht "Cars" aus und wie hört es sich an?
Zwei Sachen müssen unbedingt voneinander unterschieden werden: einerseits die grandiose Präsentation der einzelnen Rennwagen, die köstlich animierten Mimiken der jeweiligen Gesprächspartner, die man einfach lieb haben muss, überhaupt die gelungenen Zwischensequenzen mit hervorragender Sprachausgabe inklusive einer riesigen Portion Humor und dann andererseits das sehr sterile Leveldesign, die sehr einfachen Hintergrundtexturen, im Rennen einfach modellierten Autos und überhaupt die sehr leblos wirkenden Schauplätze. Außerdem tauchen viele Objekte wie Häuser oder Bäume erst etwas dreißig Meter vor uns urplötzlich auf, was auch nicht gerade vorbildlich ist. Der Mix aus Country-Musik und Rock gefällt allerdings sicher den Meisten von uns und über die exzellente deutsche Sprachausgabe habe ich ja bereits einige Worte verloren. Insgesamt bin ich hier mit vielen Dingen sehr zufrieden, der ein oder andere kleine Makel störte mich nicht so wahnsinnig. Die hauptsächlichen Probleme liegen ganz woanders.

Wie spielt sich "Cars" und wie sieht es mit der Motivationskurve aus?
Trotz des ziemlich niedrigen Schwierigkeitsgrades spielt sich "Cars" nicht so kinderleicht, wie man es vielleicht hätte vermuten können und wie es (seltsamerweise!) auch öfters zu lesen war. Dies liegt vor allem an der zwar simplen aber doch nicht optimalen Steuerung: Gas geben, Bremsen und Einlenken sind zwar nichts Neues, doch speziell die beiden Besonderheiten "Boost" und "Powerslide" sind nicht so leicht auszuführen, wie ich es mir erhofft hatte. Manchmal wurde ich sogar richtig böse, steuert sich McQueen trotz rechtzeitigen Einschlagens des Lenkrads weit vor Beginn der Kurve und mit gleichzeitigem Powerslides, als hätte er drei Anhänger hinter sich: solch ein weiter Radius ist weder realistisch noch spaßig, denn engere Kurven geschweige denn tückische Schikanen lassen sich dann nur noch mit vom Gas gehen und meistens noch zusätzlichem Bremsen halbwegs meistern. Der Zeitverlust ist dann aber enorm und zudem ärgerlich, da die Konkurrenz dann, wie auch immer, locker an uns vorbeizieht. Und das mit Vollgas und Turbo, wie es aussieht. Andererseits ist es einfach schwach, dass, sollten wir einmal die Straße verlassen haben, wir zurückgesetzt werden, dann aber kaum Zeit verlieren. Sind wir zunächst sieben oder acht Sekunden hinten, sind es kurz darauf nur noch zwei bis drei, merkwürdig. Ebenso seltsam: fahren wir richtig gut, sind die Konkurrenten auch nicht weit weg, sind wir ziemlich schlecht unterwegs, holen wir den riesigen Rückstand in der letzten Runde fast immer auf. Das alles merkt man allerdings erst nach zwei bis drei Spielstunden: der Spielspaß sinkt dadurch dann beträchtlich. Dies hat zur Folge, dass die Motivation nach vielversprechendem Beginn stark absinkt, zumal die Minispiele zwar anfangs leicht sind, später aber oft wiederholt werden müssen, um innerhalb des Zeitlimits das Ziel zu erreichen: viel zu oft sind Glück und Zufall dabei, es liegt meistens gar nicht an unserem Können, so dass ich weiterspielte unter dem Motto "irgendwann wird es schon irgendwie auf einmal klappen". Das ist auch nicht gerade toll. Und schließlich langweilen die großen Rennen dadurch, dass einfach ohne Sinn und Verstand in einem weiten Oval ewig im Kreis gefahren wird. Das mag in de USA so üblich sein, interessiert mich hier aber nicht. Ein großer Mangel: Powerslide und Boost kommen dann gar nicht zur Anwendung, diese werden nur in den kleineren Rennen benutzt, wieso auch immer.

Weitere Schwachpunkte gibt es: die Boxenstopps bei den langen Rennen wirken wie Fremdkörper und haben groteskerweise keine Auswirkung auf die momentane Platzierung: wir hauen blöd auf die Tasten oder bewegen den Analogstick im Takt und verlieren keinen Platz dabei. Die Raserei über Wiese und die freie Steppe sowie durch das Örtchen Radiator Springs macht allerdings Spaß, wer Lust hat, entdeckt dabei unzählige Abkürzungen. Nervig wiederum sind viele der Rennen, bei denen sich der Gummiband-Effekt der CPU-Fahrer abzeichnet, ich erwähnte es bereits im letzten Absatz. Wie kann es zudem sein, dass kurz nach einer sehr scharfen Kurve zwei oder gleich drei Konkurrenten uns überholen und dies mit Vollgas, ohne dass wir selber vom Gas gegangen waren und dazu auch noch gekonnt einen Powerslide ausführten, so dass wir keinen Kontakt mit der Fahrbahnbegrenzung oder etwas ähnlichem hatten? Und dann auch noch vom schweren und rostigen Tow Mater überholt zu werden, ist sehr unrealistisch. Es schleicht sich daher spätestens ab der dritten oder vierten Stunde (meistens früher) das Gefühl ein, dass wir vieles nicht beeinflussen können und daher eine "Schxxx egal"-Einstellung entsteht. Und das ist natürlich Gift, zumal die Fahrphysik bzw. das Geschwindigkeitsgefühl nie so richtig authentisch rüberkommt. Im Gegensatz zur sehr sympathischen Aufmachung vom Städtchen Radiator Springs und besonders seiner Bewohner ist das Gameplay eher unterdurchschnittlich. Dem steht zum Glück der Charme des Spiels gegenüber, doch wer ein motivierend aufgebautes, mitreißendes Rennspielabenteuer erleben möchte, ist hier falsch.

Kann ich Euch "Cars" insgesamt empfehlen?
Ganz knapp ja, aber wirklich nur ganz knapp. Ein schneller Einstieg, extrem liebenswert dargestellte Charaktere, das kleine Radiator Springs mit gemütlicher Wohlfühl-Atmosphäre, viel Humor und eine tolle Sprachausgabe kann man ruhig über den grünen Klee loben. Dann kommt das große "Aber": ein nach gutem Beginn leider doch sehr abwechslungsarmer Spielverlauf, ein unangenehmes Fahrgefühl bei den Rennen, seltsame Rennverläufe mit merkwürdigem CPU-Fahrerverhalten und eine nicht ganz saubere Steuerung gerade bei den wichtigen Powerslides sorgen ab und zu für ordentliche Dämpfer. Wer während des Spiels hin- und hergerissen ist, ob es wirklich Sinn macht, weiterzuspielen, hat ironischerweise dazu genügend Zeit: "dank" der langen Ladezeiten gibt es immer wieder Momente der "Besinnung". Mir sind jedenfalls 20 bis 25 Sekunden Wartezeit inzwischen einfach zu lang. Wie dem auch sei: da sich wahrscheinlich eh nur diejenigen für dieses Spiel interessieren, die sich gerne den Kinofilm angeschaut haben, wird es angesichts der sympathischen Charaktere kam jemanden geben, der dieses Spiel als Müll bezeichnen würde. Doch auch der eingefleischteste Fan muss zugeben, dass die Rennverläufe seltsam sind, das Fahrgefühl auch nicht gerade realistisch ist und einige nervige Passagen einfach zu oft mit dabei sind.



Die Texte und Wertungen stellen die Meinungen des jeweiligen Autors dar...

.::Infos

Cars

» Erschienen:
05.09.2006

» Hersteller:
THQ

» Entwickler:
THQ

» Genre:
Rennspiel

» Spieler:
1-2


.::Wertung
Grafik:
Grafik 5
5/10
Sound:
Sound 8
8/10
Spielspaß Solo:
Spielspaß Solo 7
7/10
Spielspaß Multi:
Spielspaß Multi 5
5/10
Gesamtwertung
Gesamtwertung 62.5%
62.5%
Autor: elisa2


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