Das erste und bisher einzige Mario-Jump'n'Run wurde von Vielen heiß erwartet, da der Vorgänger Mario 64 absolute Maßstäbe gesetzt hatte. Passend zum diesmal sommerlichen Thema erschien das Spiel statt wie eigentlich üblich bei den meisten Mario-Jump'n'Runs nicht zum Launch sondern im Sommer 2003 (Europa bekam dieses Werk allerdings erst im Herbst).
Auch ein Held wie Mario braucht einmal Urlaub und so entschliesst er sich dazu, zusammen mit Prinzessin Peach und ihrem Hofgefolge auf die Isla Delfina zu fliegen. Wer jetzt denkt, er könne Dead or Alive Beach Volleyball in Marioform spielen, hat sich allerdings geirrt - ein mysteriöser Bösewicht in Marios Gestalt hat die Insel mit einem magischen Pinsel verwüstet und so wird Mario von den Inselbewohnern, die etwas an Werner erinnern (mit einer Palme aufm Kopp und einer ungesunden Hautfarbe) dazu verdonnert, die Insel zu reinigen und nichts ist mit Ausspannen. Um dieses Ziel zu erreichen, bekommt Mario einen "Dreck Weg 08/17", das ist ein Maschinchen, das man sich zum Wasser spritzen auf den Rücken schnallt Anders als im Vorgänger entwickelt sich die Story im Laufe des Spiels durch Zwischensequenzen weiter. Dabei gibt es sogar eine große Wendung in der Geschichte, eine geniale Story wie bei Final Fantasy sollte man allerdings nicht erwarten - viel mehr ist die Story eine nette Dreingabe.
Was in Mario 64 die Sterne sind in Mario Sunshine die Shines.
Die Bewohner der Isla Delfina brauchen diese, damit die Insel ihren alten Glanz wiedererhält. Das Dolphin Dorf stellt in Mario Sunshine die Oberwelt dar, hier kann man über Portale die insgesamt 7 Unterlevels erreichen.
Um Shines zu bekommen, muss Mario allerlei Aufgaben erledigen :
- Verschiedene Obermotze besiegen
- bestimmte Stellen in einem Level erreichen (zum Beispiel die höchste Stelle in einem Plateau)
- Surfwettrennen
- Münzen sammeln (wobei das nie Pflicht zum Durchspielen ist, sondern eher Kür)
- und viele mehr.
Ein Level spielt sich dabei zum Beispiel so : Man klettert auf ein Gerüst, darin besiegt man dort einen Obermotz und bekommt einen Shine. Danach besucht man das gleiche Level nochmal und findet dort einen Koopa (eine Schildkröte), der einen zum Surfwettrennen herausfordert.
An Abwechslung mangelt es Mario Sunshine sicherlich nicht. Dabei bleibt es aber immer ein 3D-Jump'n'Run und wechselt nie ins Genre des Action-Adventure (worüber man sich teilweise bei Konkurrenten beklagen könnte).
Einen alten Bekannten trifft man im Laufe des Spieles auch : Den Dinosaurier Yoshi. In Mario 64 hatte er ja nur einen kurzen Auftritt, in Mario Sunshine kann man ihn endlich wieder reiten. Leider kommt Yoshi während des Spiels etwas zu kurz, wirklich oft benötigt man seine Hilfe nicht.
Besonders gefallen haben mir bei Mario Sunshine die Bonuslevels, in denen man den Dreckweg 08/17 ablegt und die reinen Jump'n'Run-Künste zählen. Diese Levels erinnern etwas an die Bowserlevels in Mario 64. Im Grunde geht es darum, es ans Ende einer Hindernisbahn zum Beispiel mit sich bewegendem Kästen oder Rollen zu schaffen, dort bekommt man dann einen wohlverdienten Shine. Dabei zählen einzig und allein die Jump'n'Run-Künste des Spielers. An einigen Levels dieser Art kann man sich richtig die Zähne ausbeissen, zum Beispiel habe ich einen ganzen Nachmittag (5 Stunden) nur für einen Level verbraucht. Während dieser Phase ist man schon frustriert, wenn man Dutzende von Leben verliert, aber ich war immer motiviert, es weiterzuversuchen. Hat man den Level dann aber geschafft, ist man richtig stolz und froh, es geschafft zu haben. Allerdings hört man oft von vielen Leuten, dass sie gerade diese Levels gehasst haben, weil ihnen der Frustfaktor einfach viel zu hoch war. Ich fand Mario Sunshine jedoch nie zu schwierig, der Schwierigkeitsgrad bewegt sich immer im Grad des Schaffbaren. Man braucht eben manchmal mehrere Versuche. Und das ist auch gut so im Genre des Jump'n'Runs finde (man bedenke mal, wie oft man früher zB bei Super Mario Brothers an einem Level hing). Anders als in den anderen Mariospielen bleibt man ausser diesen Bonuslevels in Mario Sunshine eigentlich immer in einem Szenario : Der Südseeinsel. Dabei besucht man aber verschiedene Orte wie einen Freizeitpark oder ein Dorf, so dass man vom Szenario nicht gelangweilt wird.
Um Mario Sunshine durchzuspielen, das heisst den Bösewicht zu besiegen, benötigt man etwa 20 Stunden. Danach gibt es aber immer noch so einige Shines zu sammeln, also Aufgaben zu lösen. Ich habe noch ca. 10 Stunden mit Mario Sunshine verbracht, bis ich es weggelegt habe. Will man das Spiel zu 100 % durchspielen, das heisst, alle Shines sammeln, verbringt man sicherlich seine 40-50 Stunden damit, mir war das allerdings etwas zu schwer bzw. zu viel Arbeit.
Als es zur E3 2003 (der größten Videospielmesse, abgehalten jeden Mai in Los Angeles, San Francisco) die ersten richtigen Screens von Mario Sunshine gab, waren enttäuschte Aufschreie zu hören. Mann ist das hässlich, was macht Nintendo nur, Nintendo ist am Ende, usw..
Nachdem es Videos zu sehen gab, hat sich die Fangemeinde aber etwas beruhigt.
Ich habe vor meinem Urteil erstmal die Verkaufsversion abgewartet.
Eigentlich stimmt es : Nintendo hätte die Grafik teilweise tatsächlich um einiges schöner gestalten können. Teilweise sind Texturen und Polygonmodelle zum Beispiel bei den Inselbewohnern, allerdings könnte man dagegen argumentieren, dass das eben so vom Artwork her beabsichtigt ist, etwas simpel geraten.
Aufwändige Schattenberechnungen gibt es nicht, stattdessen muss man sich meistens mit Kreisschatten zufrieden geben. Eines muss man aber auch berücksichtigen : Nintendo hat sich auch sehr Mühe gegeben, die Ladezeiten einzuschränken, was sie auch gut geschafft haben. Nach dem Durchspielen dieses Spiels muss ich sagen : Der positive Gesamteindruck der Grafik überwiegt. Die Umgebungen sind meistens sehr schön und liebevoll im Comicstil gestaltet. Das (Meer-)Wasser ist sogar sehr hübsch geworden und hebt sich von vergleichbaren Wasserdarstellungen mit netten Welleneffekten ab. Unter Wasser gibt es sogar nett designte Korallenriffe zu entdecken. Die Grafik vermittelt immer eine geniale Südseestimmung und geht nur sehr selten in die Knie. Pop-Ups gibt es keine und Grafikfehler sind ebenfalls nur sehr selten (natürlich kann man Clipping, das Überlappen von Objekten, manchmal einfach nicht vermeiden). Zu erwähnen ist noch ein sehr übermässig eingesetzter Effekt : Der Effekt des Hitzeflimmers in der Ferne (erkennt man gut auf Screenshots. Gestört hat mich dieser im ganzen Spiel nie, meiner Meinung nach unterstützt er das Südseefeeling.
Wer kann sich nicht an unverwechselbare Melodien aus der Kindheit erinnern - ich zum Beispiel an das Super Mario Land Theme.
Was bei den Filmen das Dschungelbuch und Star Wars ist bei Videospielen wohl Mario und Zelda in dieser Hinsicht.
Kann sich Mario Sunshine in diese Reihe einreihen ?
Das Hauptthema "Dolphic Town" ist eigentlich recht gut gewählt. Nachdem ich es mir aber sogar vor dem Spielekauf etwa 50 mal als MP3 angehört habe (ich habe mich halt auf das Spiel gefreut), hat mich das Thema schon etwas genervt. Das hat es dann anfangs auch im Spiel, doch dann habe ich mich doch erwischt, wie ich es mitgesummt habe - es ist eben ein echter Ohrwurm. Sonst ist mir der Soundtrack aber nicht besonders im Spiel aufgefallen, er unterstützt das Spiel gut, aber als ausgezeichnet würde ich ihn nicht bezeichnen. Also insgesamt "nur" ein guter Soundtrack.
Für eines sind Nintendospiele sicherlich bekannt und beliebt : Die im Großteil aller Fälle ausgezeichnete Steuerung.
So auch bei Mario Sunshine...
Es ist genial, wie direkt sich Mario steuern lässt, macht man Fehler, liegt das nur selten an der Steuerung, sondern eben am Spieler. Genau wie in Mario 64 kontrolliert man Marios Laufbewegungen mit dem Joystick und führt mit den Tasten verschiedene Moves wie Springen oder Stampfen aus. Durch den Dreck Weg 08/17 ist noch eine neue Gameplaykomponenten implementiert worden, daher gibt es etwas weniger Moves als in Mario 64. In 3D-Jump'n'Runs kommt es oft vor, dass die automatische Kamera, nicht unbedingt das zeigt, was sie zeigen soll, so auch in Mario Sunshine. Für diesen Fall haben die Entwickler eine manuelle Kamera eingebaut, die man mit dem C-Stick steuert, was sehr gut klappt. Dank der manuellen Kamera entstehen nur ganz ganz selten Übersichtsprobleme und man macht nur wenige Fehler wegen der Kamera.
Für flimmerfreies Vergnügen sorgt der einwandfreie 60 Hertz-Modus.
Beim einmaligen Durchspielen ruckelte Mario Sunshine bei mir genau einmal. Also kommt Ruckeln höchst selten vor.
Ladezeiten gibt es im ganzen Spiel nicht.
Mit 7 Blöcken gibt sich das Spiel auf der Memory Card zufrieden.
Die Sprachausgabe ist in Englisch und deutsch untertitelt, Dolby Pro Logic 2 wird unterstützt.
Die Bedienungsanleitung ist wie immer bei Nintendo in Farbe gedruckt und durchaus informativ, wirklich benutzen muss man sie nicht, da es ein Tutorial im Spiel selber gibt.
Fazit :
Super Mario Sunshine ist bisher das beste Jump'n'Run, das ich in dieser Generation gespielt habe. Da es auch als Player's-Choice-Titel verkauft wird (also verbilligt für 20-30 Euro), kann ich eine klare Kaufempfehlung aussprechen. Dieses Spiel hat mir wirklich sehr viel Spass bereitet, allerdings könnte es für manche Menschen auch ein wenig frustrierend sein teilweise. Ich fand den Schwierigkeitsgrad immer fair.
Die Texte und Wertungen stellen die Meinungen des jeweiligen Autors dar...