Die Story fällt einmal wieder typisch japanisch aus. Der Trainer, dessen Namen und auch Geschlecht man selbst bestimmt, ich nannte ihn mal Helge, zieht in eine neue Region. Die sogenannte Hoenn-Region. Helges Vater ist Leiter einer Arena, in welcher man, besiegt man den Leiter der Arena in einem Pokemonkampf einen Orden bekommt. Helge beschliesst, bzw. es ist sein Lebenstraum, alle Arenen in der Hoenn-Region zu "schaffen", danach muss er nur noch die Trainer in der Pokemon-Liga besiegen und schon ist er der absolute Pokemaster. Und so verlässt er das Hotel Mama. Diese nimmt das recht gelassen hin, doch im Dorf munkelt man sogar, sie mache sich Sorgen ! Jetzt hat sie auch den letzten Mann im Haus an das Phänomen Pokemon verloren. Schnell bekommt Helge durch einen Zufall schon das erste Pokemon und trifft auch auf eine erste Rivalin : Meike. Diese taucht übrigens auch hin und wieder in der Pokemon-Fernsehserie auf...was die Kinder vielleicht begeistern könnte. Jedoch ist sie gar nicht mal so eine gute Trainerin und verlor gegen "mich". Und so geht es weiter, der tapfere Helge zieht durch die Hoenn-Region und trifft noch auf so manch interessante Gestalt. Wie zum Beispiel das Team Magma, eine Verbrecherorganisation die einen Vulkanausbruch herbeiführen will und so die Landmasse vergrössern will (was auf Kosten der Meerflora&fauna gehen würde).
Schon der Anfang mutete doch sehr dem ersten Pokemonteil ähnlich an. Schon wie der Trainer seine erstes Pokemon bekommt. So geht es eigentlich dann auch so ziemlich das ganze Spiel weiter. Richtig gute neue Ideen wurden meiner Meinung nach nicht integriert. Ein paar neue Bestandteile wie zum Beispiel eine Art Pokemon-Schönheitswettbewerb, Pflanzenaufzucht und Doppel-Pokemon-Kämpfe gibt es schon, jedoch sind diese dann doch eher unwichtig und man wird sich nicht sehr lange damit beschäftigen. Der inzwischen schon 9 Jahre alte Kern bleibt gleich : Ein relativ normales, lineares RPG mit dem Sammelbonus. Man erkundet die sehr grosse Insel, zwischen den verschiedenen Städten (in denen hin und wieder Arenen stehen) fordern einen viele Möchtegern-Supertrainer heraus. Um zur nächsten Stadt zu gelangen muss man meistens einen bestimmten Kampf schaffen oder ein Rätsel lösen, bzw. irgendeine Person ansprechen. Um seltene Pokemon zu bekommen gibt es dann noch verschiedene Nebenaufgaben.
Jedoch stellt sich das "Ich muss alle haben !"-Feeling nicht ein. Das hat verschiedene Gründe und fängt schon beim Design der neuen Pokemon an : Dieses ist teilweise einfach nur mies. Man denkt nicht mehr wirklich "Oh, das ist ein Pokemon". Sondern es scheint oft nur noch so, dass einfach alle Animedesigns verwendet wurden, die den Designern über den Weg gelaufen sind. Früher, zur Zeit des ersten Spiels, gab es ja auch noch einen Qualitätsunterschied zwischen Pokemon und zB Digimon oder Duel Monsters. Aber der besteht heute nicht mehr. Das andere Probelm ist : Es gibt einfach zu viele Pokemon (die man sowieso nicht fangen will). Mehr als 200 ? Also bitte ! Ich habe ja nicht mal als Pokefan alle des ersten Spiels gefangen (es waren ungefähr 120 von 150). Zu Ende des Spiels hatte ich dann ungefähr 100 Stück. Noch die ganzen Pokemon zu suchen und fangen, war ja eigentlich noch der Anreiz das Spiel auch nach dem Durchspielen der Story weiterzuspielen, aber hier ist das nicht so der Fall.
Beurteilt man das Spiel als RPG, ist es wie schon gesagt, nicht gerade mit neuen ideen gespickt. Die Rätsel sind im grunde so 08/15, wies nur geht. Die Story ist so vor japanischen Klischees triefend, dass einem schon das Ekeln kommen kann. Natürlich ist Helge so angespornt. "Jaaa, ich will der Stärkste werden" Die Mutter ist vornehm zurückhaltend sorgenvoll. "Gib auf dich Acht, ich glaube an dich !" Später begegnet man natürlich den ganzen Trainern, die auch groß rauskommen wollen. Und einen mit den üblichen Sprüchen wie "Ich bin eh stärker.", "Ich mach dich fertig.", "Du hast eh keine Chance" volllabern. Da liest man schnell nicht mehr mit und klickt einfach nur noch den Text weg. Auch die Städte sind nur von Trotteln besiedelt, die meistens nur einen, recht dummen und einfältigen, Satz von sich geben. Leider muss man doch alle Personen ansprechen, da man sonst keine Gegenstände erhält, mit denen es weitergeht. Leider bieten alle Charaktere nur eine kinderspielgleiche Tiefe.
Es nervt auch, dass ich oft einen Deja-Vu-Effekt hatte (das habe ich doch schon mal gespielt, beim ersten Pokemon-Spiel).
Positiv erwähnen muss man jedoch, dass Pokemon Rubin eigentlich keine frustrierende Stellen oder sehr langweilige Stellen bietet. Immerhin Das konnten die Entwickler ausradieren. Andererseits - ist gerade deswegen Pokemon Rubin doch ein recht spassiges Spiel geworden. Weil es immer weitergeht und sich die Story relativ schnell entwickelt. Nervige Phasen, in denen es nur ums Pokemon-Aufleveln (extra Kämpfen um dem Pokemon Erfahrungspunkte zu verschaffen) gibt es glücklicherweise nicht. Nur am Ende war es dann doch soweit : Um die sehr talentierten Poke-Liga-Trainer zu besiegen, musste ich eine geschlagene Woche aufleveln (für den Rest des Spiels benötigte ich auch eine Woche). Aber selbst das hat dann doch Spass gemacht. Am Ende kommt das RPG-Syndrom dann doch durch : Man ist einfach stolz, wenn man im Spiel wieder mal etwas stärker geworden ist.
Auch noch an Pokemon Rubin bemängeln kann man die lieblose Ausführung der Technik. Das Spiel selber sieht doch eigentlich eher wie ein Game Boy Color-Spiel aus, nur einige nette Effekte hin und wieder erinnern daran, dass das Spiel auf dem Game Boy Advance läuft. Das ist aber eigentlich kein grosser Kritikpunkt, da 2D-RPGs einfach nicht so viel besser aussehen können (ausser sie verwenden zum Beispiel Aquarell-Hintergründe). Eher zu bemängeln sind die Pokemon-Kämpfe. Da es nämlich im gesamten Spiel keine einzige Animation gibt. Die Kämpfe bestehen im Grunde nur aus zwei Pokemon-Portraits, die halt hin und her wackeln und es wurden noch ein paar Effekte eingefügt, die die Attacken verdeutlichen sollen. Das ist aber viel zu wenig. Das sich die Pokemon nicht bewegen ist arg billig und eigentlich ist Pokemon Rubin doch schon eine High-Bugdet-Produktion. Auch die Effekte könnten noch um einiges besser aussehen, etwas Mühe vorausgesetzt natürlich.
Wer kennt es nicht : In einer schlechten Fernsehproduktion spielt ein Kind Gameboy und man hört Düdelsound. Daraufhin die Großmutter "Schalt den Schrott aus und mach Schulaufgaben !" Leider giesst Pokemon Rubin etwas Benzin auf dieses Klischee. Der Düdelsound ist nämlich ziemlich nervig, das ganze Spiel über. Es wurden die Melodien übernommen, die mich schon im ersten Spiel genervt haben. Auch hat sich die Soundqualität kaum gebessert im Vergleich zum ersten Teil. Schon Rayman zeigte, dass es besser geht. Einige Lieder sind zwar doch recht gut gelungen, vom Grundthema her, aber diese befinden sich in einer kleinen, übersehbaren Minderheit. Daher blieb der GBA meistens stumm.
Nach der ganzen Kritik könnte man denken, ich hasse Pokemon Rubin zutiefst. Aber ich bin eben ein gründlicher Mensch. Ich muss doch zugeben : Am Ende hatte ich mit Pokemon Rubin eine Menge Spass. Vor allem weil es immer so flüssig weitergeht und es kaum nervige Stellen im Spielverlauf gibt. Die Texte lassen sich ja zum Glück schnell weiterklicken. Schnell fand ich ein paar Favoritenpokemon, die ich zärtlich zu Killermaschinen aufzog und mit denen ich viele Trainer plattmachte. Aufgrund der Speicherfunktion, mit der man jederzeit ausser in Kämpfen speichern kann, kann man jederzeit den GBA hervorholen und wieder in der Tasche verschwinden lassen. So ist das Spiel auch perfekt für unterwegs. Aber ich habe auch gerne immer wieder mal so gespielt, auf der Couch zum Beispiel. So habe ich ganze 40 Stunden mit dem Spiel verbracht. Im Vergleich zu Final Fantasy oder dem ersten Pokemonspiel ist das zwar wenig, aber es waren doch 40 spassige Stunden.
Fazit :
Wegen des flüssigen Spielverlaufs macht Pokemon Rubin doch trotz Ideenmangel viel Spass. Sammelfieber stellt sich jedoch nicht ein. Auch die Story ist alles andere als ein Meisterwerk, allerdings lässt das einen das typische RPG-Feeling vergessen. Am Ende überwiegt doch der pure Spielspass, den das Spiel bietet.
Die Texte und Wertungen stellen die Meinungen des jeweiligen Autors dar...