Mag es auch tatsächlich sein, dass nicht jedem von Euch die Videospielkonsole Supernintendo etwas sagt, bei einer Sache bin ich mir aber fast sicher: wenn Ihr nun den Namen World Cup USA 94 lest, könnte ich mir vorstellen, dass Ihr glatt darauf kommt, dass es sich um irgendetwas handeln muss, das mit Sport zu tun hat. Fein. Seid Ihr zudem etwas mit dem Medium Fußball vertraut, dann wird es höchstwahrscheinlich bei Euch irgendwo Klick gemacht haben, denn es im Jahr 1994 fand die Fußballweltmeisterschaft in den Vereinigten Staaten von Amerika statt. Dies war natürlich für Hersteller von Videospielen der Anlass schlechthin, es x-fach Fußballsimulationen für alle möglichen Spielsysteme vom Himmel regnen zu lassen, einen günstigeren Zeitpunkt, ein Soccer-Game zu veröffentlichen, gab es damals ganz sicher nicht. Klar ist allerdings auch, dass sich bei dieser schlagartig anfallenden Quantität an erscheinenden Titeln nur wenige in punkto Qualität würden aus der Masse erheben können. World Cup USA 94 schaffte es allerdings, sich tatsächlich aus dem 08/15-Einheitsbrei herauswurschteln zu können, was an mehreren Dingen lag.
Zunächst einmal handelt es sich bei World Cup 94 um das hochheilige offizielle Fußballspiel zur WM 94, keine Ahnung, was der Kauf der Originallizenzen den Hersteller damals gekostet hat, es werden auf jeden Fall mehrere Millionen Dollar gewesen sein. Das Vorhandensein von Originallizenzen war leider für mich generell Anlass genug, an der eigentlichen Qualität des Spiels zu zweifeln, zu wenig Geld war meistens noch übrig, um für ein zumindest überdurchschnittliches Spiel sorgen zu können. Leider ist es tatsächlich so, dass große Namen eindeutig Priorität vor einem gelungenen Gameplay haben, wen kümmert schon wenige Wochen, spätestens Monate nach der Weltmeisterschaft diese Spiel noch? Dann ist es schon längst Schnee von gestern, so dass die schnelle Kohle eben durch die offizielle Lizenz innerhalb weniger Wochen reinkommen muss. Dass diese Version eines Fußballspiels für das Supernintendo sich dann doch als eine verhältnismäßig gelungene Simulation herausstellte, war insofern aus meiner Sicht schon eine kleine positive Überraschung.
Wie es sich für ein offizielles Spiel zu einem solchen sportlichen Großereignis gehört, haben wir es hier mit einer pixelgenauen Umsetzung des wirklichen WM-Turniers von 94 zu tun, soll heißen dass sowohl Stadien, Termine und Paarungen originalgetreu nachempfunden wurden. Die Spielernamen sind merkwürdigerweise nicht die aus der Realität, was mich dann doch sehr verwunderte und für ein offizielles Spiel zu einer Fußball-WM dann doch schon enttäuschend ist, nur die Namen der Nationalteams werden unverfälscht wiedergegeben. Wem im Übrigen das richtige Ergebnis eines Spiels bei der damaligen WM nicht gefiel, bastelte sich möglicherweise dann sein Wunschergebnis eben selber zusammen und schickte mit den Amerikanern die Brasilianer mit einem 4:1 vorzeitig nach Hause. Dafür müsst Ihr allerdings schon über ein gewisses Talent verfügen, das steht außer Frage, denn auch auf dem Supernintendo lassen sich die Südamerikaner nicht mal so eben vom Platz fegen, daher heißt es für viele von Euch: üben, üben und noch mal üben.
Wollt Ihr bei World Cup USA 94 schnell loslegen, werdet Ihr jäh gestoppt, ein riesiger Wust an zur Auswahl stehenden Optionen erwartet Euch. Unzählige Bilder, Symbole, Parameter und überhaupt Optionsmenüs erwarten Euch jedenfalls gleich zu Beginn des Spiels, für meinen Geschmack ist dies einfach des Guten zuviel. Hatte ich mich nach dem Einschalten dieses Spielmoduls in der Startsequenz schon lange genug mit der Animation des Hunde-Maskottchens herumgequält - dieser alberne Müll lässt sich nämlich bedauerlicherweise nicht abschalten - so wurde meine Geduld doch durch diese übertriebene Vielfalt an zur Verfügung stehenden Optionen so langsam aber sicher überstrapaziert. Irgendwann habt Ihr es dann aber endlich geschafft und Ihr dürft tatsächlich in wenigen Augenblicken das erste Mal vor das runde Leder klicken, endlich ist es soweit. Hurra.
Wie es damals so üblich war, schaut Ihr bei diesem SNES-Game auf das Spielfeld in einer 2D-Perspektive von ganz oben, im Volksmund auch Vogelperspektive genannt. Leider haben wir es hier nicht mit einer isometrischen Ansicht zu tun, wie es der Klassen-Primus Fifa International Soccer vorweise kann, so dass Euch bei langen Pässen oder Flanken dann leider doch der Überblick fehlt, Ihr mehr oder weniger ins Blaue reinkickt. Im Erfolgsfall liegt das dann natürlich an Eurer männlichen - oder von mir aus auch weiblichen - Intuition, sollte ein tödlicher Pass tatsächlich angekommen sein, ist völlig klar. Zwar lässt sich auch eine Karte oben links am Bildschirmrand zuschalten, doch erstens behindert diese dann etwas die Sicht auf den grünen Rasen und zweitens ist diese auch nicht gerade ein Garant für das Zustandekommen Eurer Pässe bzw. das diese ihr Ziel erreichen. Demzufolge ist die Ansicht nicht nur unspektakulär, sondern zudem auch noch relativ unzweckmäßig, wie ich finde. Andererseits werden dann die Spieler soweit entfernt dargestellt, dass Ihr oft für umgerechnet circa 20 Meter freie Sicht habt, im Großen und Ganzen geht das zwar in Ordnung, besonders hübsch und erst recht spektakulär sieht die uns präsentierte Action auf dem Platz dann aber nicht aus.
Im Spiel selber gibt es dann aber eine Fülle an zur Verfügung stehenden ausführbaren Aktionen. Ihr passt, flankt und schießt, probiert einen Lupfer und vollbringt mehr oder weniger wirkungsvolle Direktabnahmen, die für einige sehr gelungene Spielszenen sorgen. Ebenso ist es Euch möglich, de Ball einen entsprechenden Drall zu verpassen, mit Effet braust somit das runde Leder ein ums andere Mal in den Strafraum des Gegners und sorgt dort nicht gerade selten für helle Aufregung und ein wildes Durcheinander. Natürlich könnt Ihr nicht nur pausenlos den Ball nach vorne dreschen, sondern müsst auch äußerst konzentriert in der Verteidigung zu Werke gehen. Hierbei gibt es natürlich faire Methoden des Tacklings, die aber in der Regel weniger erfolgversprechend sind als die Attacken Eurer Verteidiger der etwas rustikaleren Art. Trotzdem wirkt das Gameplay nicht ansatzweise so berauschend wie das des nahezu zeitgleich erschienenen Fifa International Soccer, es fehlt im wahrsten Sinne des Wortes der letzte Kick. Schließlich gehen die Computergegner derart - unrealistisch - hart zur Sache, dass Ihr nicht gerade selten in der zweiten Hälfte zwei oder drei Mann mehr seid, außerdem geht durch die ständigen Unterbrechungen der Spielfluss flöten.
Auch bei Grafik und Sound gibt es bei diesem SNES-Titel nichts bemerkenswert Positives zu entdecken, die doch ziemlich biedere Optik mit der schon erwähnten unspektakulären Ansicht wird keine Begeisterungsstürme in Euch hervorrufen, die Farben sind vergleichsweise blass, die Texturen sehr einfach gehalten und von Animationen kann man - nicht zuletzt aufgrund des Mini-Formats der Kicker - eigentlich kaum reden. Sehr spartanisch gibt sich leider auch das ganze Drumherum, dies betrifft sowohl die Spielstandanzeige, die Uhr als auch die Hintergrundkulissen. Fast schon unverschämt schlecht ist da sogar die Soundkulisse, hier liegt ein großer Schwachpunkt dieses Spiels, die Atmosphäre hätte gerade in diesem Punkt stimmungsvoll verstärkt werden können, so haben wir es hier aber mit dem genauen Gegenteil zu tun, dass wir uns in einem Fußball-WM-Turnier befinden sollen, merkt Ihr eigentlich kaum oder besser gesagt gar nicht.
World Cup USA 94 ist eine Fußballsimulation, die eigentlich nur noch für Nostalgiker interessant sein dürfte. Diese kommen dann aber durchaus auf ihre Kosten, können sie doch überaus zahlreiche Erinnerungen an jene WM wieder aufleben lassen. Oder besser auch nicht, schließlich verlor unser DFB-Team peinlicherweise im Viertelfinale 1:2 gegen Bulgarien und schied völlig überraschend aus. Gefallen haben mir hier jedenfalls die flotten Spielzüge, die unterschiedlichen Möglichkeiten, ein Spiel aufzuziehen und ganz besonders die mit Effet geschlagenen Flanken und anschließenden Direktabnahmen. Ansonsten sorgen sowohl die Optik als auch die sehr unspektakuläre Perspektive für ein eher biederes Ambiente, das ging damals auch schon auf dem Supernintendo deutlich besser, wie Fifa Soccer International eindeutig unter Beweis stellte. Der Sound ist eher eine Frechheit, wobei mir die Melodien schrecklich egal sind, aber die Soundeffekte mich während des Spiels enorm enttäuschten. Das gelungene Passsystem kann jedenfalls durchaus begeistern, erst recht, da dieses sich regelmäßig in Überzahl oft als sehr effektiv erweist, da die Computerteams es anscheinend lieben, rote Karten am Stück zu sammeln. Insgesamt landet World Cup USA 94 auf meiner Wertungsskala bei 66%.
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