Nachdem ich bereits mit großer Begeisterung GTA 3 und Vice City gespielt hatte, freute ich mich natürlich auch auf Driver 3, da es den beiden anderen Titeln ja mehr als ähnlich ist.
Die Vorfreude legte sich aber sehr schnell, denn dieses Spiel ist größtenteils eine ziemliche Enttäuschung.
Story:
Schon die Story zeugt nicht von besonders viel Kreativität seitens der Programmierer. Man ist ein Cop, der Undercover gegen eine Bande Autodiebe ermittelt.
Die ganze Story verläuft absolut gradlinig und linear, bis man schließlich zum großen Gangsterboss vorstößt. Es gibt leider absolut keine Möglichkeit aus diesem Modus auszusteigen, die Fronten zu wechseln oder ähnliches. Hatte man bei GTA noch diverse Auftraggeber und abwechslungsreiche Missionen, wird hier fast wie bei den Ego-Shootern allerdings machen die wenigstens Spaß. Bei einem Schulnotensystem würde ich hier eine glatte 5 vergeben.
Spannung/Atmosphäre:
Kurz gesagt, nicht vorhanden. Es wurde seitens des Herstellers so gut wie nichts getan, um eine Atmosphäre entstehen zu lassen. Man macht einfach eine Mission nach der anderen ohne dass etwas Spannendes oder Unerwartetes passiert. Alle die das Spiel „Mafia“ einmal gespielt haben, waren zum größten Teil fasziniert und wollten unbedingt wissen wie es weitergeht. Mir ging es da nicht anders, aber bei Driver 3 wird man dieses Gefühl nicht bekommen.
Bis zur 5. oder 6. Mission habe ich den Controller erst nicht weglegen können, aber danach baut die Spannung erheblich ab. Es fehlt halt Abwechslung, da man nur andauernd als Cop unterwegs ist und seitens der Story nichts anderes möglich ist.
Missionen:
Es ist wirklich nicht meine Absicht, dass Spiele total zu zerreißen, aber auch an den Missionen gibt es Anlass zur Kritik. Im Prinzip gibt es 3 verschiedene Arten von Missionen:
1.: Folge deinen Kollegen und bringe die Gangster um
2.: Fahre alleine und bringe die Gangster um
3.: Verfolge das flüchtende Fahrzeug und zerstöre es
Das Problem bei Variante 1 und 2 ist, dass man sehr dicht dran bleiben muss. Fährt man also über eine Kreuzung und ein drittes Fahrzeug fährt einen aus versehen an, ist die Mission gescheitert und man darf es erneut probieren. Das gleiche passiert auch wenn man dank der miserablen Steuerung (dazu später mehr) vor einem Haus, einer Laterne, einem Baum oder ähnlichem landet. Etwas Abwechslung gibt es aber dennoch, da man ja manchmal mit einem anderen Fahrzeug wie einem Lkw oder sogar einem Boot fahren darf.
Nach meiner Erfahrung war es dass dann aber auch schon. Für die Programmierer scheint es ja zu reichen.
Gameplay:
Man startet das Spiel in seinem Haus. Von dort aus fährt man zur Polizei-Station und geht dort erstmal zum Schiessstand, wo man nur die Bösen abknallen darf. Die Feinde erkennt man sehr deutlich an der roten Farbe. Ich habe schon einige Male ein paar „normale Bürger“ abgeschossen aber der Test galt jedes Mal als bestanden.
In der 1. richtigen Mission muss man dann seinen Kollegen einige Zeit durch die Stadt zu einem Einsatzort hinterher fahren. Hierbei darf man natürlich auch nicht zu weit von denen entfernt bleiben da man sonst mal wieder verloren hat. Am Einsatzort angekommen erschießt man 4 Gangster und verfolgt dann einen Gangster im Auto, dass man zerstören muss.
Gegenerintelligenz ist eh nicht vorhanden, also kann man trotz eklatant schlechter Steuerung trotzdem seine Gegner ausschalten. Die Verfolgung des Fahrzeugs ist natürlich schon etwas schwieriger da man natürlich nicht zu weit entfernt bleiben darf. Ich habe es 13 Mal versucht und dann mit einem Cheat die Mission übersprungen. Irgendwann reicht es einfach! Der Missionsablauf zieht sich genauso durch das ganze Spiel und wird richtig öde. Dazu kommen etliche Bugs und Clipping- Fehler.
Hier mal eine kleine Kritik-Liste:
- Büsche sind wie Wände
- Fällt man ins Wasser kann man zwar schwimmen braucht aber ewig bis zu einer Leiter. Es ist also schneller die Mission neu zu starten.
- Polizisten erschießen sich selber
- Man steht sehr oft halb in einem Haus stehen und kommt nicht weiter
- Intelligenz der Gegner ist unterirdisch, da sie sich kaum bewegen, vestecken etc.
- Fahrverhalten der einzelnen Autos unterscheidet sich nicht
Das sind die Aspekte die mir öfters aufgefallen sind. Ob die PC-Version besser ist kann ich leider nicht beurteilen, aber diese Erfahrung hat mir gereicht.
Spielmodi:
Neben dem Storymodus gibt es noch den Modus Freie Fahrt und Fahrspiele. Der Freie Fahrt Modus dient dazu die Städte Miami und Nizza zu erkunden und einige Cheats und Geheimnisse frei zu schalten. Mir ist es leider noch nicht gelungen etwas frei zu schalten. Hierbei hat man die Möglichkeit die Polizei an- und abzuschalten und sich so ein paar nette Verfolgungsrennen zu liefern. Hierbei ist dann auch Waffengewalt zugelassen.
Bei den Fahrspielen gibt es folgende Varianten:
- Verfolgungsjagt: Man verfolgt den Gegener und muss ihn zerstören
- Nichts wie weg: Man muss die Polizei abschütteln bevor die Zeit abgelaufen ist
- Trail Blazer: Hier muss man eine Reihe Kegel entlang fahren und bekommt für jeden umgefahrenen Kegel Zusatzzeit.
- Überleben: Man flieht so lange vor wahnsinnigen Polizisten bis sein Auto zerstört ist
- Checkpoint- Rennen: Man muss so schnell wie möglich Checkpoint abfahren die sich in der ganzen Stadt befinden.
- Tor-Rennen: In einer bestimmten Zeit durch so viele Kegeltore wie möglich fahren. Fährt man einen Kegel um wird Zeit abgezogen und die Tore werden immer enger.
Die „Freie Fahrt“ ist für den Einstieg sehr sinnvoll, da man sich mit dem Verhalten verschiedener Fahrzeuge (Autos, Motorräder, Boote etc.) vertraut machen kann, und auch die Städte erkunden kann.
Wie der Name „Driver“ schon sagt liegt das Hauptaugenmerk des Spiel auf dem Fahren. Deshalb sollte man sich einmal den „Fahrspielen“ widmen. Es ist ein sehr nützliches Training um ein Fahrzeug zu beherrschen, denn schließlich kommt es im Storymodus auf Schnellig- und Geschicklichkeit an, und beides wird hier sehr gut geübt.
Grafik:
Und auch hier hat der Entwickler alles getan um negativ zu glänzen. Die ganze Grafik sieht aus wie auf einnem Nintendo 64. Die Xbox ist ja nun wirklich nicht grad schwach auf der Brust und wenn man sich Spiele wie Gotham 2 oder Halo anschaut zu sehr guten grafischen Leistungen fähig (für eine Konsole). Aber diese Grafik ist einfach eine Frechheit. Die Figuren bewegen sich extrem plastisch und stehen herum wie bestellt und nicht abgeholt. Und wenn man jemanden erschiesst kippt er um wie ein Stück Pappe. Es mag sein, dass ich grafisch etwas verwöhnt bin dank Far Cry, aber etwas mehr sollte es doch schon sein.
Auch die Grafik der Städte ist sehr lieblos. Die Häuser wirken wie die Kulisse für ein Rennspiel aus dem Jahre 1996. Selbst das doch etwas betagte GTA III kann hier locker mithalten und macht teilweise einen besseren Eindruck.
Das einzige was relativ gut gelungen ist, sind die Autos und das Schadensmodell. Die Deformierungen an der Karosse sehen sehr gut aus, und auch abfliegende Blechteile und Räder sind vorhanden. Auch Einschusslöcher und qualmende Auspuffrohre sind vorhanden. Das war aber auch schon das einzig positive, der Rest ist eher mittelmäßig bis schlecht. Mehr als enttäuschend ist die Tatsache, dass es nur 2 Kameraperspektiven in den Fahrzeugen gibt.
Einmal vom Heck des Fahrzeugs aus und einmal von der Motorhaube aus.
Sehr negativ aufgefallen sind mit auch die vielen Kanten und Ecken. Viele werden natürlich sagen, dass man darüber hinweg sehen kann. Ich allerdings nicht, denn schließlich habe ich eine Xbox die dazu in der Lage ist Kantenglättung umzusetzen, und keine PS2.
Ach ja, eine positive Sache gibt es noch bei der Grafik. Die Abenddämmerung sieht sehr hübsch aus.
Sound:
Hier hat man ausnahmsweise mal gut gearbeitet. Sowohl die Effekte als auch die Musik machen einen sehr guten Eindruck und passen hervorragend zum Spiel. Auch die Synchronisation ist gut gelungen, da die Stimmen recht gut zu den jeweiligen Characteren passen. Allerdings wirkt das gesprochene teilweise etwas langweilig und unmotiviert.
Was mich wirklich begeistert hat ist der Motorensound. Da klingt ein marikanischer V8 noch wie ein V8 und der Motor eines Ferraris pfeift und heult auch wie es sich gehört.
Der Soundtrack ist natürlich Geschmackssache. 13 verschiedene Bands haben Songs zum Spiel beigesteuert, somit ist also für Abwechslung gesorgt. Ich muss leider wieder die Parallele zu GTA Vice City ziehen, da der dortige Autoradio-Modus deutlich besser und abwechslungsreicher ist, da man die Musik nach seinen Vorlieben einstellen kann. Mit der Zeit gehen einem die 13 Titel doch schon auf die Nerven und man stellt sie aus.
Steuerung:
Die Steuerung ist leider wieder ein Grund zum kritisieren. Wenn man einen normalen PKW steuert fällt es nicht so ins Gewicht, dass es allerdings keine Unterschiede beim steuern eines LKWs gibt ist nicht ganz nachzuvollziehen.
Die Steuerung außerhalb der Fahrzeuge ist allerdings eine Katastrophe. Ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt, mit den 2 Ministicks zu steuern aber bei Driver 3 ist es schon ein kleines Glücksspiel seine Gegner gezielt auszuschalten. Bei 3 oder 4 Gegnern auf einmal, ist dies kein großes Problem, werden es dagegen noch einige mehr kommt man schnell in arge Bedrängnis.
Multiplayer:
Driver 3 unterstützt den „Xbox Live“ Modus. Da ich dort nicht angemeldet bin, kann ich auch kein Statement dazu abgeben.
Fazit:
Hätte ich mir dieses Spiel gekauft, wäre es sofort wieder bei E-bay gelandet und ich hätte mich geärgert. Ich hab es mir aus der Videothek ausgeliehen und recht intensiv gespielt um mir eine Meinung bilden zu können. Dieses Spiel ist nur etwas für Hardcore- Fans der GTA- Reihe die nicht auf den Nachfolger warten können oder wollen. Es kommt in keinster Weise an die GTA- Reihe heran und ich würde jedem Spieler, der Wert auf ein gutes und Bug- freies Produkt legt raten, die Finger vom Kauf zu lassen. Zum ausprobieren und gelegentlichen daddeln reicht es aus, eine Langzeitmotivation a la Mafia wird man auf keinen Fall finden.
Die Texte und Wertungen stellen die Meinungen des jeweiligen Autors dar...